Offener Leserbrief: „Frühe Hilfe rechnet sich“ (Freies Wort v. 18.02.2009)

Zum Artikel vom 18.02. im "Freies Wort", haben wir aufgrund der kommenden schlechten Situation in Jena  für unsere Kinder einen offenen Leserbrief verfasst:

Sehr geehrte Redaktion "Freies Wort",

Es ist schön zu lesen, dass sich die Lage um die medizinischen Therapien in den integra-
tiven Kitas entspannt. Doch leider ist dies in Jena nicht der Fall. Unseres Wissens nach
wollen die Krankenkassen nur noch bis Ende Juni die Physiotherapie in den integrati-
ven Kindergärten bezahlen. Ab dann soll sie über eine interdisziplinäre Frühförderstelle
finanziert werden. Doch gibt es bisher in Jena keine solche Stelle und ein Entstehen zeich-
net sich auch nicht ab, da die Bedingungen des Frühförderrahmenvertrags immer noch
nicht stimmig sind.

Für mehrere schwerstbehinderte Kinder käme damit die medizinischen Versorgung im
integrativen Kindergarten „Kochstraße“ zum Erliegen, den einige Kinder unserer Selbst-
hilfegruppe besuchen. Gerade diese Kinder brauchen jeden Tag Physiotherapie. Es ist
traurig und für uns Eltern deprimierend, wie schwer dadurch Integration und der Zu-
gang zu Bildung von behinderten Kindern gemacht wird. Denn Eltern müssen sich ent-
scheiden: Entweder ihr Kind geht in die Kita und hat den vollen Zugang zu Bildung
oder es muss zu Hause bleiben, um therapeutisch versorgt zu werden. Für Therapien am
Nachmittag sind unsere Kinder nicht mehr aufnahmefähig. Für uns Eltern bedeutet dies
aber nicht zuletzt auch eine finanzielle Belastung, da unter solchen Bedingungen nur ein
Elternteil arbeiten gehen kann.